Hintergrundinformation Burkina FasoStand: Januar 2000Burkina Faso - Afrikas SorgenkindDie Statistik der 'Encyclopedia of Africa' weist Burkina Faso als ein außergewöhnlich schwach entwickeltes Land aus. Zwei Zahlen führen dies exemplarisch vor Augen. 1. Im Jahre 1994 erzeugte ein Burkinaber Waren und Dienstleistungen im Wert von 330 US-Dollar (Vgl. Middleton, John (Hrsg.): 'Encyclopedia of Africa. South of the Sahara', 1997, Seite 205), 1,5 Prozent des pro Kopf BSP in Deutschland (BSP pro Kopf in der BRD: 23500 US-Dollar). 2. Laut UNESCO- Weltbildungsbericht von 1995 (vgl. UNESCO-Weltbildungsbericht 1995, Hrsg. Deutsche Unesco Kommission e.V., Bonn 1996, Seite 124) sind von den 10 Millionen Burkinabern 80.8 Prozent Analphabeten, d.h. nur jeder fünfte kann lesen und schreiben. Selbst für afrikanische Verhältnisse sind diese Zahlen enorm schlecht. Welche Faktoren führten zu dieser enormen Unterentwicklung in Wirtschaft und Bildung?Burkina Faso wurde Anfang des 20. Jahrhunderts französische Kolonie. Von 1904 bis 1919 war es zunächst Teil der Kolonie Obersenegal-Niger, 1919 wurde es als eigenständige Kolonie Haute Volta dem Generalgouverneur von Französisch-Westafrika in Dakar unterstellt. Da es keine signifikanten Rohstoffvorkommen besaß und noch dazu ein Binnenland ohne strategisch wichtige Hafenstädte war, verwendeten die französische Kolonialverwaltung wenig Mühe darauf, ihrer Kolonie eine funktionierende Infrastruktur zu geben. Burkina Faso wurde deswegen hauptsächlich als Arbeitskräftereservoir für die französischen Kaffee- und Bananenplantagen der Elfenbeinküste 'genutzt'. Mit anderen Worten: die Burkinaben wurden oder waren dazu gezwungen, auf den französischen Plantagen der Elfenbeinküste zu arbeiten. Die fehlende wirtschaftliche Infrastruktur, die auch durch zahlreiche Reformversuche verschiedener Regierungen nicht entscheidend verbessert werden konnte, ist einer der Hauptgründe dafür, daß die burkinabische Wirtschaft gegenwärtig nicht in der Lage ist, für die eigene Bevölkerung genug Arbeitsplätze bereitzustellen. Auch die Unterentwicklung des Bildungssystems hat seine Ursachen in der Kolonialzeit. Während andere afrikanische Länder nach ihrer Unabhängigkeit die koloniale Bildungsinfrastrukur (Kolonial- und Missionsschulen) für ihre Zwecke nutzten, konnte Burkina Faso nicht auf koloniale Bildungsinstitutionen zurückgreifen, einfach weil es keine kolonialen Bildungsinsitutionen gab. Neben dieser Hypothek der Kolonialzeit wirkte sich vor allem auch die schlechte wirtschaftliche Lage auf den Bildungsstand der Bevölkerung aus. Waehrend materieller Notzeiten holen viele Eltern ihre Kinder von der Schule, um mit der zusaetzlichen Arbeitskraft der Kinder die Familie ueber Wasser zu halten. Neben den ungünstigen Bedingungen, mit denen sich Burkina Faso nach der Unabhängigkeit konfrontiert sah, sind aber auch Versäumnisse der burkinabischen Regierungen festzustellen. Der Ausbau landwirtschaftlicher Strukuren und die Bekämpfung des Analphabetentums wurden nur halbherzig angegangen. Eine unvorsichtige Finanzpolitik sowie Erdölkrisen und Dürreperioden führten regelmäßig zu Haushaltsdefiziten und negativen Handelsbilanzen, die es Burkina Faso unmöglich machten, effektiv und konsequent seine Unterentwicklung zu bekämpfen. Tobias Messner |