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Pancuai Girl School,Südsudan |
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Vorgeschichte...Im Sommer 1997 entstand Kontakt zu einem Agraringenieur, John Malith, der in seiner Heimat in der Bürgerkriegsregion Südsudan zahlreiche visionäre und erfolgreiche Entwicklungsinitiativen startete. Wir erfuhren damals von dem Plan Johns und anderen Einheimischen eine Mädchenschule für die Region Akot Payam zu bauen, um die Mädchenbildung in der Region zu fördern. Während eines Aufenthalts im Südsudan konnte einer unserer Mitarbeiter den Baubeginn und die Fertigstellung einiger Schulgebäude selbst miterleben. Er war so beeindruckt von dem, was die Sudanesen auf die Beine gestellt hatten, dass er nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Herbst 1997 die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung der Schule durch Wend-Zoodo e.V. prüfte. Da das Spendenvolumen des Vereins im Herbst 1997 jedoch gerade mal für die zwei Schulen in Burkina Faso ausreichte, war eine längerfristige Förderung der Pancuai Girl School damals unrealistisch. Der Kontakt zu John und der Schule wurde jedoch aufrechterhalten. Veranlasst durch die Hungersnot im Sommer 1998 initiierte Wend-Zoodo e.V. dann im Herbst/ Winter eine Sonderaktion für die Unterstützung eines von John konzipierten, vom Mädchenschulprojekt jedoch unabhängigen, Gemüseanbau-Projekts in Pancuai. Das
Ziel, eine längerfristige Zusammenarbeit mit der Pancuai
Girl School nach dem Vorbild der zwei Projekte in Burkina Faso
auch im Südsudan zu etablieren, konnte dann im Herbst 1998 anvisiert
werden, da das Spendenvolumen für das Jahr 1998 im Vergleich zu den
Vorjahren beträchtlich gewachsen war. Auf der Mitgliederversammlung
vom Oktober 1998 beschloss Wend-Zoodo, die Pancuai
Girl School zunächst einmal für zwei Jahre (1999 und 2000) mit
einem begrenzten Beitrag zu unterstützen. Ob eine langfristige
Kooperation unter den schwierigen Rahmenbedingungen, die im Südsudan
herrschen, sinnvoll und möglich ist, werden wir nach einem Besuch im
Südsudan im Herbst 2000 endgültig einschätzen können. Die
Rahmenbedingungen des Pancuai
Girl School-Projekts...
Durch
die Berichterstattung über die Hungerkatastrophe im Sommer 1998
erfuhren viele Menschen aus dem Westen zum ersten Mal Genaueres über
die politische Situation und die Lebensumstände im Sudan. Lange Zeit
war der Sudan ein Land, das von der westlichen Presse weitgehend
ignoriert wurde und daher einer breiteren Weltöffentlichkeit
verborgen blieb. Deswegen wollen wir hier kurz die Rahmenbedingungen
skizzieren, in die das Pancuai Girl School-Projekt eingebunden ist: Im
Südsudan herrscht Bürgerkrieg - und dies fast ununterbrochen seit
Erlangen der Unabhängigkeit im Jahre 1956. Trotz aller
Vermittlungsbemühungen und Appelle gehen die Kämpfe unbeirrt weiter
- und die Zahl der Opfer und Bürgerkriegsflüchtlinge steigt. Weit über
eine Million Menschen sind Opfer dieses Bürgerkriegs geworden. Eine
weitere Million Menschen hat den Südsudan verlassen um in den
Nachbarländern bzw. in friedlichen Gebieten innerhalb des Sudans
Schutz zu suchen. Viele fliehen nicht nur vor den Zusammenstößen
zwischen Regierungstruppen und der südsudanesischen Rebellenarmee
SPLA, sondern auch vor den Kämpfen miteinander konkurrierender SPLA
Faktionen, sowie vor Stammesfehden zwischen traditionell verfeindeten
Stämmen. Da die politische Instabilität des Sudan vielfältige
Ursachen hat, sind die Aussichten für eine baldige Beilegung des
Konflikts schlecht. Der
Bürgerkrieg hat hat viele negative Folgen, wovon zwei herauszuheben
sind: Die
immer wieder auftretenden Dürrezeiten werden zu einem fast unüberwindbaren
Problem. Eine regelmäßige Bearbeitung des Ackerlands ist nicht möglich,
da die Felder immer wieder von feindlichen Milizen zerstört werden.
Wiederholt wurde der Hunger auch als politische Waffe verwendet. Die
Hungerkatastrophen, die das Bild des Sudan in den westlichen Medien
geprägt haben, sind daher vor allem auch ein Produkt des Bürgerkriegs. Traditionelle Kenntnisse in Familienernährung, Hygiene, Gesundheit und Kinderpflege gehen verloren, da ganze Verwandtschaften, Eltern, Kinder, Geschwister durch Tod oder Flucht auseinandergerissen wurden. Vielen Kinder bleibt daher die Vermittlung von diesen elementaren Kenntnissen und Fähigkeiten durch Eltern oder Verwandte versagt. Einige
Besonderheiten des Pancuai Girl School-Projekts leiten sich aus diesen gerade
geschilderten Folgen des Bürgerkriegs ab: Die Schule wurde bewußt an
einem Ort gebaut, der sich abseits der Bürgerkriegswirren befindet.
In Pancuai, einem neugegründeten kleinen Dorf südöstlich von Rumbek
(in der Mitte des Dreiecks Rumbek, Billing und Akot; Bar Al Ghazal
Region, Rumbek County), ist die Schule vor den Bügerkriegskämpfen
relativ sicher. Unsere afrikanischen Partner hoffen, daß der
Schulbetrieb deswegen ungestört ablaufen kann. In
der Region um Pancuai leben ca. 2000 Familien, die aus der Region nördlich
von Akot durch den Nachbarstamm der Nuer vertrieben wurden, andere
flohen aus der Gegend um Rumbek vor den Kämpfen verschiedener
SPLA-Faktionen sowie vor den Zusammenstößen zwischen SPLA und den
Regierungstruppen. Unter den Flüchtlingen befindet sich eine beträchtliche
Anzahl von Waisenkindern. Um den besonderen Bedürfnissen und Nöten
dieser Kinder gerecht zu werden, werden bevorzugt Waisen in die Pancuai
Girl School aufgenommen. Die Schule ist sowohl als ‘day school’
als auch ‘boarding school’ konzipiert, das heißt ein Teil der Schülerinnen
lebt ganz normal daheim und geht zur Schule, während der andere Teil
auf dem Schulgelände nicht nur lernt sondern auch lebt, ißt und schläft.
Ziele
des Pancuai Girl School-Projekts... Das
Pancuai Girl School-Projekt
entspricht den Wend-Zoodo Prinzipien, die
wir an anderer Stelle dargelegt haben. - Anzumerken ist hier
allerdings, dass wir mit dem Sudan ein neues Gebiet betreten haben, in
dem wir noch herausfinden müssen, inwiefern eine Zusammenarbeit
zwischen Wend-Zoodo und der Pancuai Girl School möglich und sinnvoll
ist - siehe auch oben. Konkret heißt das:
Letzteres
wird nur dann richtig verständlich, wenn man den gesellschaftlichen
Kontext des Südsudans kennt: In den Stammesgemeinschaften im ländlich
geprägten Südsudan werden kleine, unverheiratete Mädchen oft als
Besitzgegenstände angesehen, für die bei einer Heirat hohe Mitgiften
gezahlt werden. Folge dieser Praxis ist, daß viele Mädchen sehr früh
verheiratet werden, um die materielle Situation der Familie zu
verbessern. So sind die Mädchen schon in jungen Jahren in die
Haushaltsführung eingebunden und können dadurch nicht mehr zur
Schule gehen. Bildung wird somit zum Privileg der männlichen Bevölkerung.
Um
dem entgegenzuwirken werden vor allem unverheiratete Mädchen im Alter
von 7 bis 10 Jahren als Internatschülerinnen (‘boarders’)
aufgenommen. So wird sichergestellt, daß diesen Mädchen eine solide
Grundbildung zukommt. Wir
glauben, daß die Pancuai Girl
School in einem Umfeld der Gewalt, des Hungers und der
Verwahrlosung ein sichtbares Zeichen der Hoffnung und des
Wiederaufbaus ist - ein Zeichen, das wir von Europa aus unterstützen
wollen.
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